Getagged: Pop

Da ist etwas im Wiebusch

„Von den verbitterten Idioten nicht verbittern lassen.“
Kettcar: „Den Revolver entsichern“ auf „Ich Vs. Wir“ (2017)

„Das Beste ist immer der Feind des Guten.“
Kettcar: „Auf den billigen Plätzen“ auf „Ich Vs. Wir“ (2017)

„Keine einfache Lösung haben, ist keine Schwäche /
Die komplexe Welt anerkennen, keine Schwäche /
Und einfach mal die Fresse halten, ist keine Schwäche /
Nicht zu allem eine Meinung haben, keine Schwäche.“
Kettcar: „Den Revolver entsichern“, auf „Ich Vs. Wir“ (2017)

„Wenn du das Radio ausmachst, wird die Scheißmusik auch nicht besser.“
Kettcar: „Trostbrücke Süd“ auf „Ich Vs. Wir“ (2017)

Ein Pop-Album mit Haltung und Zeilen zum Niederknien. Zum Nachdenken, Nachbeten und Nachahmen. Und mit einem Song, der im früheren Leben Kurzgeschichte gewesen sein muss. Das alles passiert ungefähr so häufig wie, eben, eine Platte von Kettcar. Die erste seit fünf Jahren ist eine inhaltliche, musikalische und sprachliche Wucht. Die reifste Mango am Baum der Songwriter-Erkenntnis, um nicht zu sagen: Irgendwas ist da im Wiebusch …      Weiterlesen

Auf Stimmenfang in Sülz

„Vertrauen ist gut, Kontrolle für Besserwisser.“

Annen May Kantereit: „3. Stock“ (2:25), auf Alles nix Konkretes (2015).

Klar, die Stimme, ohne die wären Annen May Kantereit nur talentierte Straßenmusiker aus Köln-Sülz, deren Freude an Rumpelrock für Altbaumädchen mindestens ansteckend ist. Mit der Stimme von Henning May jedoch, dieser einlullenden, rezeptfreien Überdroge, hat sich das deutsche Indie-Wunder bis zum Erstplatzierten der Album-Charts hochgebrummt. Die Stimme klingt nach Whiskeykater und Zigarettenmief, nach Kneipenmarathon und Liebesleid, nach verpassten Chancen und den Furchen des Lebens. Nach all dem klingt diese Stimme, nur nach einem klingt sie nicht: nach Anfang zwanzig. Weiterlesen

Die beliebtesten Lieblingssätze 2016

Hurra und Tusch, die Lieblingssätze des Jahres stehen fest: der beste Romananfang und die besten Fundstücke, die 2016 im Museum der schönen Sätze dokumentiert beziehungsweise auf Facebook diskutiert wurden. Die Platzierung ergibt sich aus den Bewertungen in den Social-Media-Kanälen und im Blog. Vielen Dank an dieser Stelle für das motivierende Feedback und den regen Austausch der Museumsbesucher, Facebook-Fans und Twitter-Follower. Auf ein neues Jahr voller inspirierender Wörterminiaturen!
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Lieblingsplatten 2016

Subjektiv. Unvollständig. Ehrlich. Hier die persönliche Top Ten mit meinen Lieblingsplatten 2016. Einige Künstler sind mit ihren Songzeilen im Museum der schönen Sätze vertreten. Hörenswert sind sie alle. Sätze wie Platten.

  1. Conor Oberst: Ruminations
  2. Peter Doherty: Hamburg Demonstrations
  3. Metallica: Hardwired … To Self-Destruct
  4. Tom Odell: Wrong Crowd
  5. Beginner: Advanced Chemistry
  6. Nick Cave And The Bad Seeds: Skeleton Tree
  7. Jack White: Acoustic Recordings 1998-2016
  8. De La Soul: And The Anonymous Nobody
  9. Weezer: White Album
  10. Fuck Yeah: Fuck Yeah

In memoriam Leonard Cohen, David Bowie, Prince, George Michael, Roger Cicero.

Die beliebtesten Lieblingssätze 2015

Hurra und Tusch, die Lieblingssätze des Jahres stehen fest. Die Liste der beliebtesten Romananfänge und Songzeilen, die 2015 im Museum der schönen Sätze aufgenommen und dokumentiert wurden, ist eine zeitgenössische deutsch-britische Mischung. Die Platzierung ergibt sich aus den Bewertungen in den Social-Media-Kanälen und im Blog. Die besten (Internet-)Fundstücke sind extra notiert. Vielen Dank an dieser Stelle für das motivierende Feedback und den regen Austausch der Museumsbesucher, Facebook-Fans und Twitter-Follower. Auf ein neues Jahr voller inspirierender Wörterminiaturen!
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Lieblingsplatten 2015

Subjektiv. Unvollständig. Ehrlich. Hier die persönliche Top Ten mit meinen Lieblingsplatten 2015. Ein paar davon haben es mit ihren Songzeilen ins Museum der schönen Sätze geschafft. Hörenswert sind sie alle. Sätze wie Platten.

  1. Bilderbuch: Schick Schock
  2. Libertines: Anthems For Doomed Youth
  3. Blur: The Magic Whip
  4. Carl Barat And The Jackals: Let It Reign
  5. Royal Blood: Royal Blood
  6. Deichkind: Niveau weshalb warum
  7. Herrenmagazin: Sippenhaft
  8. Mumford & Sons: Wilder Mind
  9. Madsen: Kompass
  10. Muse: Drones

Bademeister mit Philosophie-Diplom

„Ich schwimmte, schwamm und schwomm, endlich bin ich angekommen.“

Dendemann: „Endlich Nichtschwimmer“ (0:50), auf: Die Pfütze des Eisbergs (2006)

Fehler macht jeder „in diesem Freibad, das sie Leben nennen“. „Manche schwimmen mit, manche gegen den Strom, doch ich frag: Schwimmen wir noch oder leben wir schon?“ Ein Tiefseetaucher im Wörtermeer ist dieser Dendemann aus Hamburg, ein Surf-Freak im Fluss der wildesten Reime, ein Bademeister mit Philosophie-Diplom. Denn mal ehrlich: Wer Grammatikfehler als Metaphern für das Scheitern und Strampeln gebraucht, so klangvoll, verspielt und raffiniert, der hat das Leistungsschwimmabzeichen für Rapper überhaupt nicht nötig. Den macht so schnell keiner nass, rein sprachlich gesehen. Kein Wunder bei Zeilen wie diesen:

Ich bin kein Rapper, nur ein Bluessänger auf Abwegen,
bin kein Rebell, nur ein Fußgänger auf Radwegen.
Bin kein hartnäckiger Wadenbeißer,
bin kein Freischwimmer, ich bin Bademeister.

Worte wie Küsse

„Alles, was wir fühlen, zerfällt in dem Augenblick, in dem wir es versuchen zu erklären.“

Madsen: „Küss mich“ (1:29), auf: Kompass (2015)

Am Anfang war die Zeile. Wie inspirierend schöne Sätze für die Musik sein können, zeigt die niedersächsische Rockband Madsen. Die Songschreiber aus dem Wendland bauen mitunter ganze Popstücke um einen Gedankenblitz herum, wie bei „Küss mich“ geschehen, einem der stärksten Songs vom aktuellen Album „Kompass“. Dass der Sänger Sebastian Madsen nicht nur kathartisch brüllen, sondern den Brüllstoff auch fein texten kann, wissen Popfreunde seit der ersten Single „Die Perfektion“, erschienen vor zehn Jahren. Als Botschafter für die deutsche Sprache sind Madsen vor ein paar Jahren durch die USA getourt, auf Einladung des Goethe-Instituts. Und jetzt bitte keine weiteren Erklärungsversuche mehr, sonst zerfällt der Zauber der Worte. Einfach hören, genießen, küssen.

Herrenherzblut

„Doch bei einem halben Herzen kommt nie der ganze Mut zusammen,
du kannst die Dinge nicht verwerfen, nur um sie irgendwo wieder aufzufangen.“

Herrenmagazin: „Halbes Herz“ (0:58), auf: Sippenhaft (2015)

Herrenmagazin. Die erste Assoziation ist – falsch! Hier geht es nicht um die windige Prosa einschlägiger Heftl, sondern um den durchdachten Poesie-Pop der gleichnamigen Indie-Rockband aus Hamburg. Die Herrschaften um den Gitarre schrubbenden Sänger Deniz Jaspersen punkten insbesondere mit den Texten. Ausgerechnet, bei dem Namen. Mehr schöne Sätze von Herrenmagazin gibt’s hier.

Friebe sei mit euch

„Nackte Angst, zieh dich an, wir gehen aus.“

Jens Friebe: „Nackte Angst, zieh dich an, wir gehen aus“ (0:45), auf: Nackte Angst, zieh dich an, wir gehen aus (2014).

Es gibt Pop-Alben, die sind nicht zu fassen. Weil sich die Texte als poetische Perlenketten entpuppen, deren Schönheit man nur erahnen kann, schon sind sie einem wieder entglitten. Nun ist Jens Friebe nicht dafür bekannt, in Speed-Metal-, Battle-Rap- oder Shouter-Manier Textlawinen rauszuhauen – im Gegenteil entwickelt sich der Autor und Songwriter zunehmend zum Chansonier unter den Indie-Elektro-Poppern. Er nimmt sich die Zeit, die Eleganz braucht. Und doch verklingen die feinsten seiner Zeilen viel zu schnell.  Weiterlesen