Die beliebtesten Lieblingssätze 2021

Hurra und Tusch, die Lieblingssätze des Jahres stehen fest: die besten Romananfänge und das beste Fundstück, die 2021 im Museum der schönen Sätze dokumentiert beziehungsweise auf Facebook diskutiert wurden. Vielen Dank an dieser Stelle für das motivierende Feedback und den regen Austausch der Museumsbesucher, Facebook-Fans und Twitter-Follower. Auf ein neues Jahr voller inspirierender Wörterminiaturen.
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Lieblingsbücher 2021

Subjektiv. Unvollständig. Ehrlich. Hier die persönliche Top Ten meiner Lieblingsbücher, die ich 2021 gelesen habe. Einige Autorinnen und Autoren sind bereits im Museum der schönen Sätze vertreten, andere werden folgen. Lesenswert sind sie alle. Sätze wie Bücher.

bestof2021

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Okapi sehen und sterben

„Als Selma sagte, sie habe in der Nacht von einem Okapi geträumt, waren wir sicher, dass einer von uns sterben musste, und zwar innerhalb der nächsten vierundzwanzig Stunden.“

Mariana Leky: „Was man von hier aus sehen kann“. Dumont, 2017.

Es gibt mindestens viereinhalb Gründe, warum dieser erste Satz bestens funktioniert. Mariana Leky lässt gleich zu Beginn ihres zauberhaften Romans Fragezeichen in den Köpfen ihrer Lesenden aufploppen, und Fragezeichen sehnen sich bekanntlich nach Antworten.

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Zehn Jahre Lieblingssaetze.de – Benedict Wells gratuliert

Im August 2011 hieß es zum ersten Mal „Zur Sache, Sätzchen!“ Mit dem ersten Satz aus Tom Robbins‘ Roman „Halbschlaf im Froschpyjama“ wurde das Museum der schönen Sätze im Netz eröffnet. Seitdem sind 60 weitere fulminante Romananfänge und ebenso viele Pop-Perlen eingezogen und dokumentiert. Fundstücke, Best-of-Jahreslisten, Gastbeiträge und noch einiges mehr reichern die Seite an. Einer, der es mit seinen ersten Sätzen schon mehrfach ins Museum geschafft hat, hat kürzlich zum Zehnjährigen gratuliert: herzlichen Dank für die feine Girlande, Benedict Wells!

Moll für Milliarden

„Leicht war es nicht, sechs Milliarden gebrochene Herzen auf einmal zu flicken, doch ich schaffte es.“

Joey Goebel: „Freaks“. Diogenes, 2007
(aus dem Amerikanischen von Hans M. Herzog)

Joey Goebel liebt das Spiel mit ersten Sätzen. In seinem Kurzroman über fünf Außenseiter, die sich in einem amerikanischen Kaff zur „Power-Pop-New-Wave-Heavy-Metal-Punk-Rock-Band“ vereinen, um gemeinsam grandios zu scheitern, treibt er das Spiel auf die Spitze. Denn der Köder, den der US-Meister der abseitgen Tragikomödie hier auslegt, ist so fulminant wie trickreich.

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Leidfaden zum Glück

„Tut mir leid, dass Du es ausgerechnet von mir erfährst, aber Du wirst nie glücklich sein.“

Joey Goebel: „Vincent“. Diogenes, 2005

Joey Goebel eröffnet seinen Debütroman mit einem Brief, den der Ich-Erzähler dem titelgebenden Jungen schrieb, als er sieben war. Einem Schüler diesen Satz zu widmen, ist heftig. Einen Roman mit diesem Satz zu beginnen, ist herrlich. Und genau aus diesem Spannungsfeld zwischen heftig und herrlich, zwischen Unglück und Glück, zieht der Schriftsteller die Kraft für seine Romane.

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Das pralle Leben im ersten Satz

„In diesem Sommer verliebte ich mich, und meine Mutter starb.“ 

Benedict Wells: „Hard Land“. Diogenes, 2021

Erste Sätze sind wie Dates. Sie können sich als Hochstapler entpuppen, als Langweiler oder Reinfälle, im besten Fall sind sie die Erfüllung schlechthin. Benedict Wells lässt seinen neuen Roman mit einem Satz beginnen, in dem die Essenz der Geschichte steckt, Plot und Spoiler zugleich. Denn darum geht’s in „Hard Land“, um den schönsten und schlimmsten Sommer, das pralle Leben im ersten Satz.

Wells liebt erste Sätze. Das verbindet ihn mit Kirstie, einer der Figuren seiner zauberhaften Coming-of-Age-Geschichte über einen jungen Außenseiter in Missouri 1985. Denn Kirstie, in die sich ebenjener Sam Hals über Kopf verknallt, sammelt Romananfänge, immer wieder tauscht sie sich mit Sam darüber aus. Einer beeindruckt den Ich-Erzähler ganz besonders, er stammt aus Charles Simmons‘ Roman „Salzwasser“ und lautet: „Im Sommer 1963 verliebte ich mich, und mein Vater ertrank.“ Das wiederum bringt den Leser zu der Erkenntnis: Der erste Satz von „Hard Land“ ist ein Remix, und zwar ein dramaturgisch kluger. Da nämlich Sam Simmons‘ Zeile verehrt und nun seine Erinnerungen, die „Hard Land“ formal sind, mit einer Variation davon beginnt, steckt in Wells‘ Auftakt mehr als die Essenz der Geschichte: eine Extraportion Raffinesse.

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In eigener Sache: Lockdown-Gedichte

Freunde der Lieblingssätze, erinnert ihr euch? Während der ersten Welle hat Bernhard Blöchl, der Initiator und Betreiber dieser Seite, jeden Tag ein Gedicht geschrieben und auf der Facebook-Seite der Lieblingssaetze veröffentlicht: „Verse versus Virus“ war ein Experiment, war Tagebuch, Seelentröster und Quarantänen-Quatsch. Nun, ein Jahr später, ist daraus ein Büchlein entstanden: „Die Wochen wehen im zähen Takt“ (veröffentlicht via BoD – Books on Demand) ist ab sofort überall erhältlich. Damit soll sich der Kreis schließen, zum allmählichen Ende der Pandemie. Denn wie heißt es schön: Schreiben ist Aufräumen im Kopf. Gutes Gefühl! Der Band bündelt 86 Gedichte, die im Frühjahr und Frühsommer 2020 dahergeweht sind. Neu überarbeitet im Schwung der zweiten Welle. Die Gedichte, mal schelmisch, mal ernst, teils autobiografisch, teils fiktiv, spiegeln subjektive Stimmungen wider, all die Schwankungen und emotionalen Sprünge in der irren Zeit des Virus.

Hier geht’s zur Leseprobe.

Hier geht’s zur Hörprobe (Gastlesung für das Literatur-Radio Hörbahn).

Hier kann man das Buch als Hardcover (für 14,99 Euro) oder E-Book (Aktionspreis 3,99 Euro, später 5,99 Euro) bestellen.

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Multiple Höhepunkte

„Wie langweilig, denkt Edith in ihrer Hochzeitsnacht. So was stellt man sich doch ganz anders vor.“

Yvonne Hergane: „Die Chamäleondamen“. MaroVerlag, 2020

Erste Sätze sind wie Hochzeitsnächte. Die Erwartungen sind riesig, oft werden diese nicht erfüllt, aufgeben kommt nicht in Frage, zumindest nicht sofort, da will man gerne noch die darauffolgenden probieren, also Nächte und Sätze. Manchmal aber sind sie das Gegenteil von langweilig, da genießt man jede Silbe. Da wünscht man sich Kinder, mehr davon, im Gesicht ein entrücktes Grinsen. Von einem Höhepunkt zum nächsten, literarisch selbstverständlich, bringt einen Yvonne Hergane in ihrem Debütroman „Die Chamäleondamen“.

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