Multiple Höhepunkte

„Wie langweilig, denkt Edith in ihrer Hochzeitsnacht. So was stellt man sich doch ganz anders vor.“

Yvonne Hergane: „Die Chamäleondamen“. MaroVerlag, 2020

Erste Sätze sind wie Hochzeitsnächte. Die Erwartungen sind riesig, oft werden diese nicht erfüllt, aufgeben kommt nicht in Frage, zumindest nicht sofort, da will man gerne noch die darauffolgenden probieren, also Nächte und Sätze. Manchmal aber sind sie das Gegenteil von langweilig, da genießt man jede Silbe. Da wünscht man sich Kinder, mehr davon, im Gesicht ein entrücktes Grinsen. Von einem Höhepunkt zum nächsten, literarisch selbstverständlich, bringt einen Yvonne Hergane in ihrem Debütroman „Die Chamäleondamen“.

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Lieblingsbücher 2020

Subjektiv. Unvollständig. Ehrlich. Hier die persönliche Top Ten meiner Lieblingsbücher, die ich 2020 gelesen habe. Einige Autoren sind bereits im Museum der schönen Sätze vertreten, andere werden folgen. Lesenswert sind sie alle. Sätze wie Bücher.

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Lieblingsplatten 2020

Subjektiv. Unvollständig. Ehrlich. Hier die persönliche Top Ten mit meinen Lieblingsplatten 2020. Einige Künstler sind mit ihren Songzeilen im Museum der schönen Sätze vertreten. Hörenswert sind sie alle. Sätze wie Platten.

  1. Bright Eyes: Down In The Weeds, Where The World Once Was
  2. Travis: 10 Songs
  3. Pearl Jam: Gigaton
  4. Nothing But Thieves: Moral Panic 
  5. Bill Callahan: Gold Record
  6. Bob Dylan: Rough And Rowdy Ways
  7. The Strokes: The New Abnormal
  8. The Smashing Pumpkins: Cyr
  9. Dolly Parton: A Holly Dolly Christmas
  10. Green Day: Father of all Motherfuckers

Die beliebtesten Lieblingssätze 2019

Hurra und Tusch, die Lieblingssätze des Jahres stehen fest: der spannendste Romananfang, die schönste Songzeile sowie die beliebtesten Fundstücke, die 2019 im Museum der schönen Sätze dokumentiert beziehungsweise auf Facebook diskutiert wurden. Die Platzierung ergibt sich aus den Bewertungen in den Social-Media-Kanälen und im Blog. Vielen Dank an dieser Stelle für das motivierende Feedback und den regen Austausch der Museumsbesucher, Facebook-Fans und Twitter-Follower. Auf ein neues Jahr voller inspirierender Wörterminiaturen!
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Lieblingsbücher 2019

Subjektiv. Unvollständig. Ehrlich. Hier die persönliche Top Ten meiner Lieblingsbücher, die ich 2019 gelesen habe. Eines davon hat es mit seinem ersten Satz ins Museum der schönen Sätze geschafft. Lesenswert sind sie alle. Sätze wie Bücher.

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Lieblingsplatten 2019

Subjektiv. Unvollständig. Ehrlich. Hier die persönliche Top Ten mit meinen Lieblingsplatten 2019. Einige Künstler sind mit ihren Songzeilen im Museum der schönen Sätze vertreten. Hörenswert sind sie alle. Sätze wie Platten.

  1. Thees Uhlmann: Junkies & Scientologen
  2. The Raconteurs: Help Us Stranger
  3. Better Oblivion Community Center: Better Oblivion Community Center
  4. Deichkind: Wer sagt denn das?
  5. Enik: The Deepest Space Of Now
  6. Coldplay: Everyday Life
  7. Enno Bunger: Was berührt, das bleibt
  8. Liam Gallager: Why Me? Why Not.
  9. Peter Doherty & The Puta Madres: Peter Doherty & The Puta Madres
  10. Dendemann: Da nich für!

Schönstes Weihnachtsalbum: Robbie Williams: The Christmas Present
Treuebonus: Weezer: Black Album

Wortkompositionen wie Arthousekopfkino

„Altvater Schuppenwurz wacht aus dem Stand weitflächig auf, streift pechdunkle Traumreste ab, die glitzern vor feuchten Kehrichtklumpen.“

Max Porter: „Lanny“. Kein & Aber, 2019

Altvater Schuppenwurz? Who the fuck is Altvater Schuppenwurz? Das Staunen im ersten Satz geht weiter. Weitflächiges Erwachen, pechdunkle Traumreste, Wortkompositionen wie Arthousekopfkino. Den einen mag der Formulierungsrausch verstören, den anderen betören wie magische Pilzpartys. Wer da kieselsteinklimpernd lockt, ihm in seine Geschichte über einen sagenhaften Gestaltenwandler, dessen Dorf und seine geschwätzigen Bewohner zu folgen, hinein in eine traumwandlerische Familiengeschichte zwischen Mythen und Moderne, ist Max Porter. Der Engländer, Jahrgang 1981, ist ein Prosapoet mit tief verwurzeltem Naturtalent, einer, der dem Gedicht immer ein paar Buchstaben näher ist als der Prosa.

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Witzgescheiter Geistesblitzableiter

„Ich bin, ich bin /
Na, wie gehts denn weiter? /
Kein So-tun-als-ob, nur als ob nix dabei war /
Ein klitzekleiner witzgescheiter Geistesblitzableiter.“

Dendemann: „Ich dende, also bin ich“, auf Da nich für (Vertigo Berlin 2019)

„Ich dende, also bin ich“, rappt Dendemann am Anfang seiner neuen Platte. Und zeigt damit einmal mehr, dass er lieber mit philosophischen Fragen und Wortarchitekturen spielt, als eine Streetcredibility und Präpotenz zu bebrüllen, die schon den vielen Kollegahs keiner abkauft, der das Leben nicht nur aus YouTube kennt. Klar, der Hamburger, Jahrgang 1974, ist mit seinem vergnüglichen, sprachfixierten, schelmenpoetischen Ansatz nicht allein in der nun auch schon drei Jahrzehnte überspannenden blühenden Deutsch-Rap-Szene. Käptn Peng und Marteria, die späten Fantastischen Vier, Blumentopf (RIP) und einige mehr schlagen mit großem Vergnügen bei guten Haltungsnoten Purzelbäume auf der Wortweide. Rhythmische Grammatik-Gymnastik, die der abgehangenen Hip-Hop-Turnerschaft mehr Kraft und Vitalität beschert als markige Protz-Recken mit standardisiertem Wortzirkeltraining. Von witzgescheiten Geistesblitzableitern, die sich selbst als klitzeklein bezeichnen und doch so groß sind, kann kaum einer je genug kriegen, der lieber Sätzen als Menschen Schönheitspreise verleihen möchte.