Lieblingsgäste (19): Sophie Weigand

Lieblingsgäste_WeigandIn der Sammlung „Lieblingsgäste“ kommen die Besucher zu Wort und präsentieren ihre Lieblingssätze aus Literatur und Pop. Im 19. Teil stellt uns Sophie Weigand ihre Favoriten vor –  eine verschmitzte und träumerische Mischung, die Douglas Adams, Marc-Uwe Kling und Sebastian Krämer vereint. Die Buchhändlerin und geschätzte Blogger-Kollegin sagt über sich selbst: „Ich bin rettungslos nostalgisch und für den Zeitgeist völlig unbrauchbar.“ Ihren eigenen Roman würde sie mit den Worten beginnen: „Nirgendwo bellte ein Hund.“

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Schwärmen übers Schwätzen

„Da wurde einer umgebracht, was an sich schon blöd genug ist.“

Verena Roßbacher: Schwätzen und Schlachten. KiWi, 2014.

Verena Roßbacher hat ihr zweites Buch veröffentlicht, und erneut mischt die junge Österreicherin die Spickzettel mit den Regeln des Romanschreibens so wild durcheinander, dass die darauf notierten Gedankenstützen ins Taumeln geraten, sich aufeinander übergeben, infolgedessen auf den Papieren nichts mehr zu entziffern ist, weshalb sich die Autorin aufs Improvisieren verlassen muss. Das Ergebnis ist ein experimentelles Wortfest auf 631 Seiten, zerstückelt in 139 (!) Kapitel, an dem auch die Schriftstellerin und ihr Lektor Olaf teilnehmen, indem sie sich regelmäßig in die Handlung hineinschieben und über die Begehrlichkeiten des „lieben Lesers“ streiten. Weiterlesen

Lieblingsgäste (18): Karl Wolfgang Epple

Lieblingsgäste_Karl_Wolfgang_EppleIn der Sammlung „Lieblingsgäste“ kommen die Besucher zu Wort und präsentieren ihre Lieblingssätze aus Literatur und Pop. Im 18. Teil stellt uns Karl Wolfgang Epple seine Favoriten vor –  eine männlich-schnörkellose Mischung, die Anthony Burgess, Placebo und – nein, kein Irrtum – Bushido vereint. Provokant-markant ist auch der erste Satz, mit dem er sein Romandebüt beginnt, das noch im Entstehen ist: „Hurensohn kostet in Jura ein halbes Netto-Monatseinkommen.“ Über sich selbst sagt der Hamburger: „Ich bin Karl. Werbetexter und Autor. Ich schreibe ein Roman, der die Asis zum lesen bringen soll.“

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Zufallstudie

„Oha!“

Heinrich Steinfest: Der Allesforscher. Piper, 2014.

Heinrich Steinfest hat den Kürzesten. Den kürzesten ersten Satz, der im Museum der schönen Sätze präsentiert wird. Bis dato. Nun könnte man nörgeln, mit so einem „Oha!“ ließe sich jeder x-beliebige Roman eröffnen, reißerisch um Aufmerksamkeit buhlend und geradezu comicartig banal. Die Kunst des ersten Satzes, wie sie das Museum hegt, besteht jedoch darin, dass sich in ihm die ganze Geschichte spiegelt, und müsste man Heinrich Steinfests „Allesforscher“ in einem Wort zusammenfassen, wäre „Oha!“ nicht der schlechteste Versuch. Weiterlesen

Wortweiden statt Stilblüten

„Vor meiner Tür blüht eine Wiese aus Mittelfingern, doch ich lach mir in die Faust und lasse endlich wieder Licht ins Zimmer.“

Flo Mega: „Hinter dem Burnout“ (1:18), auf: Mann über Bord (2014).

Wer Alpha sagt, muss auch Omega sagen, in diesem Fall Flomega. Flo Mega. So nennt sich der Bremer Florian Bosum, der nicht nur die Spielarten von Hip-Hop und Soul aus dem Effeff beherrscht, sondern auch die Feinheiten der deutschen Sprache von A bis Z. Poetische, bildhafte, schelmische Zeilen erblühen in seinen Songs. Keine Stilblüten, eher Wortweiden. Wie in der Single Zurück von 2010: „Ich bin zurück von dort, wo der Pfeffer wächst.“ Auch auf dem aktuellen, zweiten Studioalbum „Mann über Bord“ lassen sich Sätze zum Verlieben pflücken. Den hier zum Beispiel: „Hinter dem Burnout liegt das Paradies, ich hab es gesehen, es ist schöner als Paris.“ Wachsen soll eine Wiese aus Daumen. Nach oben, natürlich.

Lieblingsgäste (17): Vlerë Abdyli

In der Sammlung „Lieblingsgäste“ kommen die Besucher zu Wort und präsentieren ihre Lieblingssätze aus Literatur und Pop. Im 17. Teil stellt uns Vlerë Abdyli ihre Favoriten vor – eine poetisch-romantische Mischung, die The Smiths, Knut Hamsun und Nelly Sachs vereint. Außergewöhnlich ist auch der erste Satz, mit dem sie ihren eigenen Roman beginnen würde: „Anton Berta Dora Ypsilon Ludwig Ida, ich komme aus Kosovë.“ Noch studiert Vlerë Abdyli Kunstgeschichte und Kulturwissenschaft, ihre große Leidenschaft ist Literatur. Sie sagt: „Ich erklimme nahezu täglich die lyrische Tonleiter. Worte sind Farben. Ich sehe sie nicht nur. Ich fühle, schmecke, rieche sie. Literatur ist mein Leben.“

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Käptn Pengs wahre Lügen

„Dieser Satz ist eine Lüge.“

Robert Gwisdek: Der unsichtbare Apfel. KiWi, 2014.

Dieser Satz ist ein Paradoxon. Und zwar ein besonders hinterlistiges. Denn wenn die Behauptung der Lüge gelogen ist, dann umkreist der Satz eine Wahrheit, oder nicht? Wegen Gedankenirrwegen wie diesen zählt die Formulierung zu den absoluten Lieblingssätzen von Robert Gwisdek. Dass der Realitätsrüttler aus Berlin nicht nur philosophische Hip-Hop-Miniaturen beherrscht, sondern auch in der Königsdisziplin Roman eine formidable Figur macht, bekräftigt er mit seinem irrwitzigen Debüt „Der unsichtbare Apfel“.

Darin präsentiert der 30-Jährige einen Jungen, der sich Igor nennt (in dem Namen seines Protagonisten sollten die 1 und die 0 sowie die Initialen des Autors enthalten sein); ein Wunderkind, das Kreise liebt und die Endlichkeit anzweifelt. Mit Wortwucht und schelmischer Freude am Experimentieren schildert Gwisdek Igors Reise aus der Realität, die wir normal nennen; spinnt eine Geschichte mit Perspektiven- und Weltenwechseln, die gespickt ist mit Rätseln und Symbolen. „Der unsichtbare Apfel“ ist eine Parabel auf das reine Bewusstsein, auf die Überwindung von Gedanken und Formen. Dass der Autor seinem wahnsinnigen Ritt eine scheinbare Lüge als Intro voranstellt, passt exzellent ins Konzept. Zumal er im zweiten Intro auf der nächsten Seite das Gegenteil nachreicht: „Dieser Satz ist wahr.“ Zur (kurzzeitigen) Entspannung des Lesers präsentiert er uns einen offiziellen ersten Satz, der vergleichsweise harmlos daherkommt: „Igor war ein unkonzentriertes Kind.“

Hier geht’s zum Interview, das ich mit Robert Gwisdek für die SZ geführt habe.

Lieblingsgäste (16): Christian Knieps

Lieblingsgäste_KniepsIn der Sammlung „Lieblingsgäste“ kommen die Besucher zu Wort und präsentieren ihre Lieblingssätze aus Literatur und Pop. Im 16. Teil stellt uns Christian Knieps seine Favoriten vor – eine zeitlos schöne Mischung quer durch die Jahrhunderte. Herman Melville findet darin ebenso Platz wie The National und Pearl Jam. Sein eigener Roman beginnt mit den Worten: „Das Leben war anders.“ Sich selbst fasst Christian lapidar und pointiert zusammen: „Habe Komparatistik studiert. Schreibe selbst. Theater und Romane. Auch kleinere Sachen. Wie die Welt so ist. Schräg und doch unendlich schön.“

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Lieblingsgäste (15): Christina Gierschick

In der Sammlung „Lieblingsgäste“ kommen die Besucher zu Wort und präsentieren ihre Lieblingssätze aus Literatur und Pop. Im 15. Teil stellt uns Christina Gierschick ihre Favoriten vor – eine feine Mischung aus Altem und Modernem. Die Lehramts-Studentin liebt es, in Bibliotheken zu stöbern, liest vor allem Literatur von 1700 bis 1810, „da ich jene Zeit der Aufklärung und des Umbruchs sehr interessant finde.“ Ihr Lieblingsautor ist indes Hermann Hesse. „Ich kenne sonst keinen anderen Autor, dessen Texte meiner inneren Gefühlswelt so nahe sind wie die seinigen.“

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Lieblingsgäste (14): Johanna Feil

In der Sammlung „Lieblingsgäste“ kommen die Besucher zu Wort und präsentieren ihre Lieblingssätze aus Literatur und Pop. Im 14. Teil stellt uns Johanna Feil ihre Favoriten vor – eine zauberhafte poetische Mischung. Die Buchhändlerin und Vielleserin hat ein Herz für die Texte von Max Goldt, Gisbert zu Knyphausen und Rocky Votolato. Sie selbst schreibt über sich: „Ich habe zu viele Bücher und zu wenig Zeit, ein Faible für nach Farben sortierte Regale, Notizbücher voller Lieblingszeilen und vom Lesen nie genug.“ Ihren eigenen Roman würde sie mit den Worten beginnen: „Es gibt Tage, die bestehen aus wolkenlosem Himmel und Heimweh nach einem unbekannten Ort.“  
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