Lieblingsgäste – jetzt mitmachen!

Mitmachen!Das Museum der schönen Sätze wächst und eröffnet eine neue Sammlung: Unter dem Motto „Lieblingsgäste“ sollen die Besucher zu Wort kommen und ihre persönlichen Lieblingssätze präsentieren.

Mitmachen kann jeder, der Sprache liebt und sich gerne im Museum der schönen Sätze verewigen möchte. Selbstverständlich darf die Gelegenheit genutzt werden, auf eigene Bücher, Projekte oder Seiten hinzuweisen. Jeder Beitrag erscheint auf dem Blog Lieblingssaetze.de und wird auf Facebook und Twitter gepostet.

Und so geht’s: Folgende acht Fragen gilt es kurz und knapp zu beantworten. Die Texte sowie ein Foto bitte per E-Mail an: lieblingssaetze (at) email.de

  1. Wie lautet dein Lieblingsromananfang?
    (nur ein (!) Satz, Autor, Buchtitel)
  2. Wie lautet deine Lieblingssongzeile?
    (nur ein (!) Satz, Band/Sänger, Songname, Plattentitel)
  3. Wie lautet dein persönlicher Lieblingssatz?
    (nur ein (!) Satz, der auch Motto, Ausspruch oder Zitat sein kann)
  4. Welche drei Autoren schaffen regelmäßig Lieblingssätze?
  5. Welche drei Bands/Songwriter schaffen regelmäßig Lieblingssätze?
  6. Wie beginnt dein eigener Roman? / Wie würde dein eigener Roman beginnen?
    (nur ein (!) Satz, bereits veröffentlicht? Autor, Buchtitel, Verlag)
  7. Wer bist du und was hast du mit Büchern zu tun?
    (Name und Kurzbeschreibung, falls erwünscht)
  8. Wo findet man dich im Netz?
    (relevante Webseiten oder Social-Media-Anbindungen)

Danke fürs Mitmachen!

Kaiser Franzobel

“Beim Elfmeter denken Tormann und Schütze, dass der jeweils andere denkt, er selber denkt, dass der andere denkt, er denkt, der andere denkt, er denkt, und so weiter, und auch wenn der Tormann nachdenkt und feststellt, dass man beim Nachdenken nur dem hinterher denkt, was andere schon gedacht haben, er folglich gar nicht denkt und dennoch völlig gedankenlos ins richtige Eck fliegt, kann es sein, dass der hirnlose Ball trotzdem an ihm vorbeigeht, weil sich Tausende Zuschauer fest aufs Tor konzentriert haben.“

Franzobel: „Gedankenspiele“, in: Franzobels großer Fußballtest (2008). Picus Verlag, 2008.

Mit der Kraft der Gedanken, die der ausgezeichnete Österreicher in diesem Aufsatz dribbelstark koordiniert, verhält es sich wie mit der Kraft der Worte. Sie ist physisch nicht messbar, doch allein der Glaube daran kann einen euphorisieren wie das entscheidende Tor in der Nachspielzeit. Als Fan der österreichischen Nationalmannschaft hat Franzobel, eigentlich Franz Stefan Griebl, nichts nicht viel zu lachen. Als satzgelenkiger Schriftsteller sehr wohl, wie man an der weltmeisterlichen Wortstafette erkennen kann, mit der er selbst Kaiser Franz schwindelig spielen dürfte.

Und überhaupt: Wer, wenn nicht er, wäre prädestinierter, über Fußball zu schreiben? Laut eigenen Angaben wurde er am Tag des Lattenpendlers in Wembley gezeugt, und sein Pseudonym entstand aus dem Ergebnis des Spiels Frankreich gegen Belgien: Fran2:0Bel.

Lieblingsschätze (3): Basis Buchhandlung

Basis Buchhandlung

Sie war eine Münchner Institution: Nach 40 Jahren hat die Basis-Buchhandlung in der Adalbertstraße am 31.12.2012 den Geschäftsbetrieb eingestellt. Was bleibt sind Erinnerungen an Papier gewordene Schätze und Fotos wie dieses. Die Basis-Buchhandlung war ein Ort mit Geschichte(n) und deshalb gerade gut für die Fotoreihe Lieblingsschätze. Wo sich schöne Sätze wohlfühlen – unter diesem Motto zeigen wir museumsreife Fundstücke aus aller Welt.

Seit du weg bist /
weiß ich /
wonach ich suchte /
als du da warst

(Frederike Frei in der Liebesgedichte-Sammlung „Aber besoffen bin ich von dir“, entdeckt in der Basis-Buchhandlung)

Heartcore

„And my head told my heart, let love grow, but my heart told my head, this time no.“

Mumford & Sons: „Winter Winds“ (1:16), auf: Sigh No More (2009).

Das gegenwärtig große Ding von der pophistorisch wichtigsten Insel der Welt funktioniert so: Banjo, Gitarren, Kontrabass, Akkordeon und ab dafür. Folk heißt dieser musikalische Straßenfeger, der zwar schon so alt ist wie die Bärte einiger Kollegen lang, der aber im retrophilen Zeitalter bestens flutscht, setzt man das präpotente Präfix „Indie“ davor und lässt ihn von modernen jungen Burschen mit abgöttisch viel Inbrunst zelebrieren. Selbstverständlich gibt es nölende Neider, die seit Jahren prinzipiell nichts anderes machen, ohne von der Welt (oder auch nur vom Lieblingspub) gehört zu werden. Aber eben nur prinzipiell. Prinzipiell ist der Prinz, und die Könige heißen Mumford.

Herz und Verstand sagen Ja zu dieser Band aus London, deren Texte so poetenwarm, die Melodien so heimelig daherkommen, als würden Head und Heart zur Hochzeit bitten. Alles passt perfekt zusammen. Die ADHS-verdächtigen Zappelbanjos im Sound der Mumfords sind ebenso Markenzeichen wie die einlullende Harmonik (auch wenn der mehrstimmige Gesang zuweilen windschief klingt, als lautete die Aufgabe, ein schräges Cottage in Cornwall zu vertonen). So schnell wie der Winterwind wird diese Gruppe nicht verschwinden.

Reine Reime

„There’s nothing pure enough to be a cure for love.“

Leonard Cohen: „Ain’t No Cure For Love“ (2:09), auf: I’m Your Man (1988).

Einen Weisheitssatz wie diesen in ein Liedlein zu packen und ihn den Background-Sängerinnen zu überlassen, ist eine dumme  kühne Idee. Zu leicht wird er überhört, zu wenig darüber nachgedacht. Aber was soll er machen, der Leonard Cohen? Die Ursprünge seines Schaffens liegen im Schreiben, er war Dichter und Schriftsteller, bevor er sich in der Musik verlor. Als Singer-Songwriter bringt Cohen beides zusammen: gehaltvolle Gedanken und markante Melodien. Da zieren Zeilen seine zerrissenen Folksongs, von denen musenresistente Kollegen ihr Leben lang träumen. Sätze wie dieser: “I’ve seen the future, it’s a murder.” Oder dieser (bereits im Museum der schönen Sätze aufgenommen): „There’s a crack in everything, that’s how the light gets in.“

Die beliebtesten Lieblingssätze 2012

42 ist nicht nur die Antwort auf alle Fragen. 42 ist auch die Anzahl der meisterhaften Wortgebilde aus Literatur und Musik, die es im vergangenen Jahr in das Museum der schönen Sätze geschafft haben. Die Resonanz bei den Lesern war unterschiedlich und gipfelte in einer Abstimmung via Facebook. Hier nun die Top Ten des Jahres, die sich aufgrund des Votings sowie, bei Punktgleichstand, des Feedbacks via Facebook ergibt. Überraschung (oder auch nicht): Eine Kapelle aus Hamburg konnte sich gleich zwei Mal platzieren.  Weiterlesen

Lieblingsplatten 2012

Subjektiv. Unvollständig. Ehrlich. Hier die persönliche Top Ten mit meinen Lieblingsplatten 2012. Ein paar davon haben es mit ihren Songzeilen ins Museum der schönen Sätze geschafft, einige stehen zur Auswahl zum Lieblingssatz des Jahres. Hörenswert sind sie alle. Sätze wie Platten.

  1. Jack White: Blunderbuss
  2. Mumford & Sons: Babel
  3. Shaban & Käptn Peng: Die Zähmung der Hydra
  4. Kid Kopphausen: I
  5. Gisbert zu Knyphausen: Hurra! Hurra! So nicht
  6. Alt J: An Awsome Wave
  7. Kraftklub: Mit K
  8. Deichkind: Befehl von ganz unten
  9. The Shins: Port of Morrow
  10. Max Mutzke: Durch Einander

Hätten drin sein müssen (haben es aber vermasselt): Muse: The 2nd Law

Lieblingsbücher 2012

Subjektiv. Unvollständig. Ehrlich. Hier die persönliche Top Ten mit meinen Lieblingsbüchern 2012. Ein paar davon haben es mit ihren ersten Sätzen ins Museum der schönen Sätze geschafft, einer davon steht zur Auswahl zum Lieblingssatz des Jahres. Lesenswert sind sie alle. Sätze wie Bücher.
  1. Wolf Haas: Verteidigung der Missionarsstellung
  2. Wolfgang Herrndorf: Tschick
  3. David Nicholls: Ewig Zweiter
  4. Daniel Glattauer: Ewig dein
  5. David Nicholls: Zwei an einem Tag
  6. Armin Kratzert: Beckenbauer taucht nicht auf
  7. David Lodge: Wie bitte?
  8. Tom Sharpe: Tohuwabohu
  9. Ralf Husmann: Vorsicht vor Leuten
  10. Paul Mesa: Die kleine Göttin der Fruchtbarkeit

Jeder Satz ist ein Geschenk

„Jeder Tag ist ein Geschenk, er ist nur scheiße verpackt.“

Kid Kopphausen: „Das Leichteste der Welt“ (1:36), auf: I (2012).

Wenn die Sätze nicht so schön wären, die einem beim Hören dieser Platte um die Ohren wehen, es wäre einfach nur zum Heulen. Da tun sich zwei Musiker und Sänger zusammen, auf die Hamburg, ach was Norddeutschland, ach was Deutschland, ach was weiß ich, wer sonst noch, stolz sein sollte; da vereinen sich der auf Melancholie-Wolke sieben schwebende Songwriter Gisbert zu Knyphausen und der Maler und ehemalige Fink-Poet Nils Koppruch, um uns als Kid Kopphausen „Blumen vom Arsch der Hölle“ mitzubringen, wie sie dichten; und was passiert, als man sich unsterblich verknallt hat in dieses schwelgerisch-schöne Folk-Pop-Album „I“? Nils Koppruch stirbt im Alter von 46 Jahren.

Zwei Monate ist das nun her, und natürlich hört man die Songs seitdem – es mag inzwischen der vierundvierzigste Durchlauf sein – mit gemischten Gefühlen. „Das Leichteste der Welt“? Welch Ironie! Dennoch soll hier eine bitter-fröhliche Zeile gewürdigt und ins Museum der schönen Sätze aufgenommen werden, die die Hoffnung im Schmerz zum Ausdruck bringt: „Jeder Tag ist ein Geschenk, er ist nur scheiße verpackt, und man fummelt am Geschenkpapier rum und kriegt es nur mühsam wieder ab.“ Also los, Freunde, zerfetzt das Papier und pflückt den Tag! Denn die Zeit ist ein Halunke.

PS: Never mind the darkness, Nils, you will be saved by Rock’n’Roll!

Lieblingsschätze (2): Saltram House, England

Das ist ein kleiner Ausschnitt der Bibliothek des Saltram House in Plympton bei Plymouth in Devon, England. Ein herrliches Bücherzimmer in einem prächtigen Landhaus aus der Zeit von Georg II. Ein Ort mit Geschichte und deshalb gerade gut für die Fotoreihe Lieblingsschätze. Wo sich schöne Sätze wohlfühlen – unter diesem Motto zeigen wir museumsreife Fundstücke aus aller Welt.