Getagged: Literatur
Steinfest beinhart
„Ihre Beine waren zu dick.“
Heinrich Steinfest: Cheng – sein erster Fall (2000). Piper, 2009.
Heinrich Steinfest, Jahrgang 1961, ist Österreicher. Und er schreibt Krimis. Da liegt der Vergleich zu Wolf Haas, Jahrgang 1960, auf der Zunge. Auch Steinfest hat sich den schwarzen Humor mit dem Bierkrug einverleibt, und das Sezieren der Gesellschaft macht ihm wahrscheinlich ebenso viel Spaß wie seinem meisterhaften Kollegen, wenngleich die Erzählstimme nicht den außergewöhnlichen Tonfall findet wie bei den Brenner-Krimis. Ob du es glaubst oder nicht, aber das kann nur der Haas. Genie Hilfsausdruck.
Puppenmord mit Tom Sharpe
„Wenn Henry Wilt den Hund zu einem Spaziergang ausführte, oder richtiger, wenn der Hund ihn ausführte, oder um genau zu sein, wenn Mrs. Wilt beiden sagte, sie sollten bloß sehen, dass sie aus dem Haus kämen, damit sie ihre Yogaübungen machen könne, schlug er stets denselben Weg ein.“
Tom Sharpe: Puppenmord (1976). Goldmann, 2001.
Tom Sharpe, Jahrgang 1928, ist ein britischer Schriftsteller der witzigsten Sorte. Seine Figuren und Dialoge sind unverwechselbar und saukomisch. Die Abenteuerkrimis um den Eigenbrötler Henry Wilt muss er mit Schwarzhumortinte geschrieben haben.
Tom Robbins im Froschpyjama
„Der Tag, an dem der Aktienmarkt aus dem Bett fällt und sich das Genick bricht, ist der schlimmste Tag deines Lebens.“
Tom Robbins: Halbschlaf im Froschpyjama (1994). Rowohlt, 1997.
Tom Robbins, Jahrgang 1932, ist der Gottvater der Metapher, der König der ungekrönten Vergleiche, der Lehrmeister der Phantasie, der Schöpfer der Wortschöpfung, der Erstplatzierte der ersten Sätze, der Erfinder der Kreativitätstheorie. Die wilden Romane des US-Amerikaners sind Sex, Philosophie, Lebensfreude. Unterhaltung, Religion, Politik. Und immer Inspiration für alle, die schreiben. Er ist der Maßstab der Erzählkunst. Er ist Literatur. Punkt.