Worte wie Küsse

„Alles, was wir fühlen, zerfällt in dem Augenblick, in dem wir es versuchen zu erklären.“

Madsen: „Küss mich“ (1:29), auf: Kompass (2015)

Am Anfang war die Zeile. Wie inspirierend schöne Sätze für die Musik sein können, zeigt die niedersächsische Rockband Madsen. Die Songschreiber aus dem Wendland bauen mitunter ganze Popstücke um einen Gedankenblitz herum, wie bei „Küss mich“ geschehen, einem der stärksten Songs vom aktuellen Album „Kompass“. Dass der Sänger Sebastian Madsen nicht nur kathartisch brüllen, sondern den Brüllstoff auch fein texten kann, wissen Popfreunde seit der ersten Single „Die Perfektion“, erschienen vor zehn Jahren. Als Botschafter für die deutsche Sprache sind Madsen vor ein paar Jahren durch die USA getourt, auf Einladung des Goethe-Instituts. Und jetzt bitte keine weiteren Erklärungsversuche mehr, sonst zerfällt der Zauber der Worte. Einfach hören, genießen, küssen.

Viva Wurschtigkeit

„Es gibt ja diesen Fall von diesem, äh, amerikanischen Dramatiker, Henry Miller, oder Arthur Miller, der mit Marilyn Monroe verheiratet war und danach nicht mehr schreiben konnte.“

Joachim Lottmann: Happy End. Haffmans & Tolkemitt, 2015.

Es gibt ja diesen Stil von diesem, äh, nicht mehr ganz so jungen Popliteraten, Jochen Lottmann, oder Joachim Lottmann, der mit Endlich Kokain seinen späten Durchbruch hatte und danach völlig abdrehte. Oder, nein, der die schönste Frau des Landes heiratete, mit dem Wolfgang-Koeppen-Preis ausgezeichnet wurde, und das alles war so toll, dass er nie mehr schreiben konnte. Nicht mehr schreiben können ist eine feine Sache, man kann dann tippen, was man will, ich probiere das gerade aus. Der Lottmann macht das auch, weshalb sein neuer Roman, der keiner ist, eine herrliche Frechheit geworden ist. „Happy End“ ist eine Abrechnung mit dem Literaturbetrieb, mit den literarischen Formen sowieso. Man könnte sagen: Der Aufsatz zeigt Lottmann auf dem Höhepunkt seiner Wurschtigkeit. Weiterlesen

Herrenherzblut

„Doch bei einem halben Herzen kommt nie der ganze Mut zusammen,
du kannst die Dinge nicht verwerfen, nur um sie irgendwo wieder aufzufangen.“

Herrenmagazin: „Halbes Herz“ (0:58), auf: Sippenhaft (2015)

Herrenmagazin. Die erste Assoziation ist – falsch! Hier geht es nicht um die windige Prosa einschlägiger Heftl, sondern um den durchdachten Poesie-Pop der gleichnamigen Indie-Rockband aus Hamburg. Die Herrschaften um den Gitarre schrubbenden Sänger Deniz Jaspersen punkten insbesondere mit den Texten. Ausgerechnet, bei dem Namen. Mehr schöne Sätze von Herrenmagazin gibt’s hier.

Lieblingsgäste (28): Susanne Ulrike Maria Albrecht

S_U_M_AIn der Sammlung „Lieblingsgäste“ kommen die Besucher zu Wort und präsentieren ihre Lieblingssätze aus Literatur und Pop. Im 28. Teil stellt Susanne Ulrike Maria Albrecht ihre Favoriten vor – eine lyrische, unzeitgeistige Mischung, die Friedrich von Schiller, Waldemar Bonsels und Falco vereint. Die Autorin aus Rheinland-Pfalz ist bereits mehrfach ausgezeichnet worden, beim Internationalen Wettbewerb „Märchen heute 2013“ belegte sie den dritten Platz. Kürzlich ist ihr Thriller „Chaoten, Mörder, Luder“ erschienen.

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Lieblingsgäste (27): Holger Schaeben

In der Sammlung „Lieblingsgäste“ kommen die Besucher zu Wort und präsentieren ihre Lieblingssätze aus Literatur und Pop. Im 27. Teil stellt Holger Schaeben seine Favoriten vor – eine elegante, kluge, durch und durch menschliche Mischung, die Norman Maclean und Herbert Grönemeyer vereint. Der Buchautor und Ghostwriter aus Nordrhein-Westfalen bezeichnet sich selbst als „Dinosaurus print“. „Ich stamme aus der Papierzeit. Ich habe überlebt, weil ich mich nicht um jeden Preis angepasst habe.“ Sein aktuelles Buch, eine Sammlung feiner Kurzgeschichten, heißt „Meer. Jung. Frau – Neun Stories und eine“, erschienen im Offizin Zürich Verlag.

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