Gretchenfrage

„Als Gretchen Morgenthau aufwachte, fiel ihr der Himmel auf den Kopf und es fehlte nicht viel, da wäre Gott gleich mitgefallen.“

Einzlkind: Gretchen. Verlag Klaus Bittermann, 2013.

Ein Killersatz. Schon wieder. Wie schon bei Harold, dem Debüt der Pseudonym-Edelfeder mit dem Rechtschreibfehler im Namen, liest man weiter. Todsicher. Es gibt ohnehin viele Parallelen zwischen den beiden Romanperlen. Erneut lässt Einzlkind einen alten (die fiktive und überaus exquisite Theaterlegende Gretchen Morgenthau) auf einen jungen Protagonisten (den liebeshungrigen und einfach gestrickten Insel-Teenager Kyell) treffen, die sich gegenseitig inspirieren. Wieder ist die Thementüte des Schriftstellers gefüllt mit den Sujets England, Reisen, Streben und Sterben. Das Beste aber ist: Wieder lässt er den sprachverliebten Leser staunen über geniale Sätze und blitzgescheite Gedanken.

Der Autor, über den man noch immer nicht viel weiß (außer, dass er lebt und sein Vorname vielleicht betamax ist), erzählt auch seine zweite schrullige Lebenskomödie mit so viel Sprachgefühl und Situationskomik, dass es eine wahre Freude ist. Ein Killersatz jagt den anderen. Aber das hatten wir bereits.

Die Gretchenfrage bleibt: Wer ist dieses Genie?

Lieblingsgäste (11): Anna Dibiase

In der Sammlung „Lieblingsgäste“ kommen die Besucher zu Wort und präsentieren ihre Lieblingssätze aus Literatur und Pop. Im elften Teil präsentiert uns Anna Dibiase schräg-schöne Zeilen von Martin Millar und der Dave Matthews Band. Gleichwohl hat die Literaturstudentin aus Marburg ein Herz für deutsche Humoristen wie Erich Kästner und Walter Moers sowie philosophische Rapper wie Käptn Peng. Die enorme Bandbreite erklärt sie so: „Ich stehe derbe auf die deutsche Sprache. In allen Formen. Also lese ich Bücher.“

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Lieblingsgäste (10): Carola Wolff

In der Sammlung „Lieblingsgäste“ kommen die Besucher zu Wort und präsentieren ihre Lieblingssätze aus Literatur und Pop. Im zehnten Teil präsentiert uns Carola Wolff starke Zeilen von starken Frauen. Sehr unterschiedlichen Frauen: Carrie Fisher, Trude Herr, Mae West. Aber auch Wolffs eigene Schöpfungen entwickeln einen kräftigen Sog: Ihren ersten Roman hat die Berliner Autorin mit den Wörtern begonnen: „Selbstmord ist eine prima Lösung.“ Derzeit arbeitet sie an ihrem zweiten Buch.

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Selbstmordsgaudi

„Harold glaubte, nach Mutters Tod erbe er die Villa und erhänge sich zweimal die Woche in der Vorhalle.“

Einzlkind: Harold. Heyne, 2011.

Ein Killersatz. Hier liest man weiter. Todsicher. Natürlich möchte man wissen, wie das denn bitte gehen soll, sich zweimal pro Woche in der Vorhalle zu erhängen? Und warum überhaupt? Taucht man erst einmal ein in die herrlich skurrile Welt des 49-jährigen Londoners namens Harold, begreift man, dass der Selbstmord zwar eine Art Hobby des Protagonisten darstellt, eines jedoch, das er nicht perfekt beherrscht. Wie so vieles im Leben des gekündigten Wurstfachverkäufers. Und dann kommt Melvin. Ein Elfjähriger, der sich selbst als Savant bezeichnet („Falls Sie nachschlagen müssen: ein Genie“). Der hyperaktive Schlaubischlumpf reißt den passiven Harold mit in ein Abenteuer, das durch England und Irland führt, denn Melvin sucht seinen Vater. Also verschiebt Harold seine Pläne in der Vorhalle und begleitet ihn. Wie sollte er sich auch widersetzen können?

Der Autor, über den man nicht viel weiß (außer, dass er sich vor ein paar Jahren eine neue Kaffeemaschine gekauft hat), erzählt seine schrullige Buddy-Komödie mit so viel Sprachfreude und Situationskomik, dass es eine wahre Freude ist. Er nennt sich Einzlkind und soll in England leben. Oder in Deutschland. Fest steht, er reiht einen Killersatz an den anderen.

Lieblingsgäste (9): Gianna Reich

Gianna ReichIn der Sammlung „Lieblingsgäste“ kommen die Besucher zu Wort und präsentieren ihre Lieblingssätze aus Literatur und Pop. Im neunten Teil entführt uns Gianna Reich in eine gelassene Welt in Rosa. Die Bloggerin studiert Germanistik und Kulturwissenschaft und liest teilweise bis zu fünf Bücher parallel. Gianna Reich hat eine Schwäche für deutschsprachige Popmusik und schwärmt von Simone de Beauvoir, Finn-Ole Heinrich und Paulo Coelho.

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Lieblingsgäste (8): Heike Pohl

Heike PohlIn der Sammlung „Lieblingsgäste“ kommen die Besucher zu Wort und präsentieren ihre Lieblingssätze aus Literatur und Pop. Im achten Teil entführt uns Heike Pohl in eine unheilige Zauberwelt. Die Journalistin und Bloggerin hat eine Schwäche für Thomas Mann und die Wortkraft von Dorothy Parker. Musikalisch lässt sie sich von Adele und Pink inspirieren. Derzeit schreibt die Redakteurin aus Schleswig-Holstein an ihrem eigenen Roman, den sie mit einem Zitat von Robert Gernhardt eröffnen möchte.

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In eigener Sache: Debütroman „Für immer Juli“

Alice Schwarzer wäre stolz auf mich, aber das hilft mir jetzt auch nicht weiter, denn Emma ist weg. Also meine Emma.
(Bernhard Blöchl, Für immer Juli, MaroVerlag 2013)

Für immer JuliUnd nun zur Werbung: Das Museum der schönen Sätze freut sich, vermelden zu dürfen, dass der Debütroman seines Kurators Bernhard Blöchl in diesen Tagen erscheint. Sein Name: Für immer Juli (MaroVerlag). Dabei geht es gar nicht um den Sommer, um das Wetter schon gleich gar nicht. Juli heißt er, weil er Juli heißt. Also die Hauptfigur. Und die hat einige Probleme: Freundin weg, Job weg, Selbstwert weg. Stattdessen diese quälenden Fragen: Ist der Mann ohne Rollenklischees ein Trugschluss? War metrosexuell ein androgyner Irrtum? Sind Testosterontonis noch en vogue? Bei dem Mittdreißiger herrscht Verwirrung deluxe. Also macht sich Juli, der sich fortan Julian nennt, auf die Suche nach seiner verlorenen Männlichkeit. Eine Tour de force durch München, Wien und Macholand. Ein Spiel mit Identitäten. Und über allem schwebt die Frage: Kann man ein anderer sein, als man ist, und wenn ja: Wie lange geht das gut?

Die Gedanken sind böse. Sie machen mir Angst. Die Gedanken sind böse. Sie erregen mich. Im Rausch lauert der Teufel. Ich will ein rauschhaftes Leben! Ich werde der Teufel (wenn der Teufel Prada trägt – umso besser!).

Ein Männerroman? Vielleicht. Ein Schelmenroman? Unbedingt. Und mehr. Denn Juli strahlt über das Buch hinaus. Längst macht er als Blogger im Netz weiter. Der Roman ist Teil eines literarischen Schelmenstücks.

Was die Presse über „Für immer Juli“ schreibt, ist hier zusammengefasst.

Ein schönes Buch! Juli hätte ich gern als Freund gehabt, dann hätte ich ihm mal auf den Hinterkopf gehauen und gesagt, dass er die dumme Emma vergessen soll … Allgemein war es wirklich sehr witzig und schön zu lesen. Das Buch bringt einen oft zum Schmunzeln, und Juli ist definitiv eine Figur zum Mitfiebern.
(Diana Rixecker, Leserin von Lieblingssaetze.de)


Für immer Juli (Broschur, 232 Seiten) kostet 14,80 Euro und ist auch als E-Book erhältlich.

Lieblingssätze im Deutschlandfunk

Hurra, die geschätzten Kollegen sprechen über uns! In der Radiosendung Corso – Kultur nach 3 durfte sich der Museumsleiter Bernhard Blöchl mit dem Moderator Achim Hahn über Lieblingssaetze.de, die Kunst des ersten Satzes und sein Romandebüt Für immer Juli unterhalten:

Im Sommer 2011 hat der Journalist und Schriftsteller Bernhard Blöchl ein digitales Museum für Lieblingssätze ins Leben gerufen. Dort sammelt und kommentiert er seitdem schöne Aussagen. Via Facebook kann beim Publikumsvoting über die Zeilen abgestimmt werden. „Jeder Tag ist ein Geschenk, er ist nur scheiße verpackt, und man fummelt am Geschenkpapier rum und kriegt es nur mühsam wieder ab.“ Das ist einer der schönsten Sätze des Jahres 2012, die die Facebook-User auf Platz eins ins Netz-Museum der Lieblingssätze gewählt haben. Verfasst von Kid Kopphausen, ein Pseudonym, hinter dem sich Gisbert zu Knyphausen und der zu früh verstorbene Nils Koppruch verbargen. Ausgewählt und kommentiert hat diesen Satz für sein digitales Museum der Autor Bernhard Blöchl.

Hier geht’s zum Beitrag zum Nachhören.

Hier geht’s zum Beitrag zum Nachlesen. Herzlichen Dank!

Lieblingsgäste (7): Elisabeth Dietz

Elisabeth DietzIn der Sammlung „Lieblingsgäste“ kommen die Besucher zu Wort und präsentieren ihre Lieblingssätze aus Literatur und Pop. Im siebten Teil stellt uns Elisabeth Dietz ihre persönlichen Inspirationsquellen vor. Die Autorin und Redakteurin mag es kafkaesk und hört gerne Tocotronic und The Cat Empire. Sie selbst skizziert sich so: „Ich vertiefe mich in Bücher, knicke ihre Ecken um, kippe Kaffee zwischen ihre Seiten und schreibe über sie.“

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Lieblingssätze im Bücher-Magazin

Hurra, die geschätzten Kollegen schreiben über uns! In der aktuellen Ausgabe des Bücher-Magazins wird Lieblingssaetze.de in der Rubrik „Literatur im Internet“ empfohlen:

Bücher-Magazin

“Ein Spaziergang durch das Museum der schönen Sätze sei jedem angeraten, der Sprache liebt. Die Ausstellung ist vielfältig und gut organisiert. Erste Sätze, Songzeilen, gesprochene Worte, Fundstücke liegen frei auf weißem Hintergrund und leuchten. Sammler, Kurator und Museumswächter ist Bernhard Blöchl, Kulturredakteur der Süddeutschen Zeitung. Er findet die Sätze, ordnet sie ein und kommentiert sie liebevoll.“

Hier geht’s zum vollständigen Artikel. Herzlichen Dank!

Das Bücher-Magazin ist das unabhängige Literaturmagazin für anspruchsvolle Literaturfans. Es erscheint zweimonatlich im Falkemedia-Verlag.