Mehr als eine Eintagsliebe

„Oh mein Gott dieser Himmel, wie komm ich da bloß rein, oh mein Gott dieser Himmel, wo zur Hölle soll das sein?“

Marteria: „OMG!“ (1:19), auf: Zum Glück in die Zukunft II (2014).

Der Weg in den Himmel führt beizeiten durch die Hölle. Marten Laciny musste erst Fußballer und Model werden, ehe er seine wahre Berufung zum Beruf gemacht hat: Seit Jahrtausendbeginn spielt der Wahl-Berliner aus Rostock nicht mehr mit Bällen und Blicken, sondern mit Worten. Ob Hansa Rostock oder die Modebranche höllische Qualen für ihn bereithielten, sei einmal dahingestellt. Fest steht: Als Rapper macht der Hip-Hop-Nerd, Jahrgang 1982, eine durch und durch glänzende Figur. Reimt sich ein in die Reihe schlauer Beatpoeten wie Peter Fox und Käptn Peng.

Bei seinen Texten zeigt Laciny, der gerade als Marteria durchstartet, dass er ein enger Freund kreativer Formulierungen ist: So heißt ein Song seiner neuen Platte „Eintagsliebe“, ein anderer „Die Nacht ist mit mir“. Und auch die Namen seiner bisherigen Alben ziehen Sprachschelmen die ohnehin höhergelegten Mundwinkel nach oben: „Halloziehnation“ (2006), „Base Ventura“ (2007), „Zu zweit allein“ (2008), „Zum Glück in die Zukunft“ (2010). Gut möglich, dass er seinen Wortspieltrieb nicht immer unter Kontrolle hat, ich kenne das aber warum sollte er? Er war und ist ein Spieler, und Spielern steht der Himmel offen.

Lieblingssätze im Magazin Klappentext

Hurra, die geschätzten Kollegen schreiben über uns! In der aktuellen Ausgabe des Magazins Klappentext wird Lieblingssaetze.de in der Rubrik „Münchner Literaturblogs“ empfohlen:

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Kluges Konzept, charmant umgesetzt, jeden Klick und Blick wert!

Herzlichen Dank!

Seit 2008 veröffentlicht das Magazin Klappentext Münchner Literaturtermine, Buchbesprechungen, Hörspieltipps und Empfehlungen für Kinder. Klappentext erscheint monatlich und kann kostenlos als PDF abonniert werden.

Lieblingsgäste (13): Alex Schau

In der Sammlung „Lieblingsgäste“ kommen die Besucher zu Wort und präsentieren ihre Lieblingssätze aus Literatur und Pop. Im 13. Teil stellt uns Alex Schau seine Favoriten vor – eine inspirierende eigenwillige Mischung. Der Vielleser aus Leipzig schätzt die Bücher von Herta Müller und Juli Zeh ebenso wie die Texte von Patrick Wolf und Element of Crime. Im Netz hat Alex die „Neue Wörtlichkeit“ etabliert, ein feines Online-Magazin für Buchrezensionen, wo sowohl Klassiker als Neuerscheinungen besprochen werden. Sein Lieblingsmotto: „You might as well live a little.“ Weiterlesen

Utopie statt Barbarie

„Ich wünsch‘ mich dahin zurück, wo’s nach vorne geht, ich hab‘ auf Back To The Future die Uhr gedreht.“

Ja, Panik: „Libertatia“ (0:05), auf: Libertatia (2014).

Zeit im Pop ist so eine Sache. Der Pop hat keine Zeit, aber zeitlos ist er nicht. Vielmehr poppt er auf, im Hier und Jetzt, um sich bald darauf wieder zu schleichen. Das war früher auch nicht anders. Ja, Panik, diese betörenden Politpop-Burschen aus Wien Berlin, drehen wahlweise am Rad oder an der Uhr. Auf ihrem neuen Album entführen sie uns an einen Ort jenseits von Zeit und Raum, den sie Libertatia nennen, angelehnt an eine mögliche anarchistische Kolonie im 17. Jahrhundert in Madagaskar. „One World, one Love, no Nations“, sehnsüchteln sie und träumen von einer Politik jenseits der erfundenen Gemeinschaften. „Space is the place, der die Flüchtigen liebt.“ Rückblick, um nach vorne zu kommen, heißt die Devise; Vision statt Kapitulation die nächste Stufe der Band-Evolution. Utopie statt Barbarie.

Wie schnelllebig das ganze Popdings ist, sieht man daran, dass Ja, Panik inzwischen nur noch zu dritt sind. Was bleibt, ist die famose Singsprech-Performance des Hauptakteurs Andreas Spechtl, der noch immer (zeitlos?) Deutsch, Englisch und Österreichisch zur stärksten Wiener Melange verquirlt, die es in Kaffeehäusern nicht gibt. Kostprobe? Bitte, gerne:

Ich hab’s probiert, man sagte mir: Lass es! Now i smash empty glasses! („Barbarie“)

Hatten wir schon, macht aber nix. Nicht schlecht, Herr Spechtl!

Lieblingsgäste (12): Stefanie Herzog

In der Sammlung „Lieblingsgäste“ kommen die Besucher zu Wort und präsentieren ihre Lieblingssätze aus Literatur und Pop. Im zwölften Teil entführt uns Stefanie „Stuffi“ Herzog in ihre musikreiche Welt. Deutschsprachige Autoren, Songwriter und Bands geben hier den Ton an, darunter Nagel, Kettcar und Sven Regener. Stuffi selbst schreibt für das Indie-Magazin „Schallhafen“, wo sie als „Genie in allen Ablenkungs-Angelegenheiten“ vorgestellt wird. Ferner heißt es, die Autorin sei „musikverehrend“ und „ollischulzvergötternd“. 

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Die beliebtesten Lieblingssätze 2013

Die Lieblingssätze des Jahres stehen fest. Zur Wahl standen die sieben beliebtesten Romananfänge und Songzeilen, die es 2013 ins Museum der schönen Sätze geschafft haben. Bis zum 6. Januar 2014 haben mehr als 100 Leser abgestimmt. Überraschung (oder auch nicht): Ein Autor konnte sich gleich zwei Mal weit oben in der Liste platzieren.  Weiterlesen

Mit Gatsby ins Gestern

„So kämpfen wir uns voran wie Schiffe gegen die Strömung, unaufhörlich zurück ins Vergangene getrieben.“

F. Scott Fitzgerald: Der große Gatsby. dtv, 2013 (ursprünglich erschienen 1925).

Es gibt Romane, da steckt die Essenz der Geschichte nicht im ersten, sondern im letzten Satz. „Der große Gatsby“ ist so einer. Fitzgeralds genau komponierte und noch genauer formulierte Gesellschaftssatire  über den geheimnisumwitterten Emporkömmling Gatsby. Mehrmals verfilmt, zuletzt visuell berauschend von Baz Luhrmann (siehe Video unten), aber niemals erreicht: die Erzählung über eine verlorene Seele in den Roaring Twenties von New York, einen Mann, der alles dafür tut, das verflogene Glück mit seiner großen Liebe zu rekonstruieren. „Man kann die Vergangenheit nicht wiederholen?“, fragt Gatsby einmal, „wieso nicht? Natürlich kann man das!“ Natürlich kann man das nicht. Der alte Junge scheitert und geht daran zugrunde. Doch die letzten Worte des Erzählers Nick Carraway bleiben. Wie die Strömung der Erinnerung.

Womit die neue Sammlung im Museum der schönen Sätze eröffnet sei: „Letzte Sätze“.

Lieblingsplatten 2013

Subjektiv. Unvollständig. Ehrlich. Hier die persönliche Top Ten mit meinen Lieblingsplatten 2013. Ein paar davon haben es mit ihren Songzeilen ins Museum der schönen Sätze geschafft, ein Satz steht zur Auswahl zum Lieblingssatz des Jahres. Hörenswert sind sie alle. Sätze wie Platten.

  1. Tom Odell: Long Way Down
  2. Jake Bugg: Jake Bugg
  3. Babyshambles: Sequel To The Prequel
  4. Jake Bugg: Shangri La
  5. Herrenmagazin: Das Ergebnis wäre Stille
  6. Käptn Peng & Die Tentakel von Delphi: Expedition ins O
  7. Tocotronic: Wie wir leben wollen
  8. Thees Uhlmann: #2
  9. Franz Ferdinand: Right Thoughts, Right Words, Right Action
  10. Kings Of Leon: Mechanical Bull

Hätten drin sein können (haben es aber vermasselt): Arctic Monkeys: AM

Lieblingsbücher 2013

Subjektiv. Unvollständig. Ehrlich. Hier die persönliche Top Ten meiner Lieblingsbücher, die ich 2013 gelesen habe. Ein paar davon haben es mit ihren ersten Sätzen ins Museum der schönen Sätze geschafft, zwei davon stehen zur Auswahl zum Lieblingssatz des Jahres. Lesenswert sind sie alle. Sätze wie Bücher.

 

  1. Einzlkind: Harold
  2. Einzlkind: Gretchen
  3. F. Scott Fitzgerald: Der große Gatsby
  4. David Nicholls: Keine weiteren Fragen
  5. Danny Wallace: Auf den ersten Blick
  6. Oliver Uschmann: Erdenrund
  7. Ralf Husmann: Nicht mein Tag
  8. Murmel Clausen: Frettsack
  9. Murmel Clausen: Frettnapf
  10. Hubertus Meyer-Burckhardt: Die Kündigung

Außer Konkurrenz, gleichwohl die größten Herzensangelegenheiten: die Romandebüts von meiner Liebsten und mir.

Schöne Bescherung: die zwei für mich wichtigsten Romandebüts 2013
(danke an Katja für das wunderbare Foto!)