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Steinfest beinhart

„Ihre Beine waren zu dick.“

Heinrich Steinfest: Cheng – sein erster Fall (2000). Piper, 2009.

Heinrich Steinfest, Jahrgang 1961, ist Österreicher. Und er schreibt Krimis. Da liegt der Vergleich zu Wolf Haas, Jahrgang 1960, auf der Zunge. Auch Steinfest hat sich den schwarzen Humor mit dem Bierkrug einverleibt, und das Sezieren der Gesellschaft  macht ihm wahrscheinlich ebenso viel Spaß wie seinem meisterhaften Kollegen, wenngleich die Erzählstimme nicht den außergewöhnlichen Tonfall findet wie bei den Brenner-Krimis. Ob du es glaubst oder nicht, aber das kann nur der Haas. Genie Hilfsausdruck.

Lieblingsbücher 2021

Subjektiv. Unvollständig. Ehrlich. Hier die persönliche Top Ten meiner Lieblingsbücher, die ich 2021 gelesen habe. Einige Autorinnen und Autoren sind bereits im Museum der schönen Sätze vertreten, andere werden folgen. Lesenswert sind sie alle. Sätze wie Bücher.

bestof2021

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Lieblingsbücher 2020

Subjektiv. Unvollständig. Ehrlich. Hier die persönliche Top Ten meiner Lieblingsbücher, die ich 2020 gelesen habe. Einige Autoren sind bereits im Museum der schönen Sätze vertreten, andere werden folgen. Lesenswert sind sie alle. Sätze wie Bücher.

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Lieblingsbücher 2019

Subjektiv. Unvollständig. Ehrlich. Hier die persönliche Top Ten meiner Lieblingsbücher, die ich 2019 gelesen habe. Eines davon hat es mit seinem ersten Satz ins Museum der schönen Sätze geschafft. Lesenswert sind sie alle. Sätze wie Bücher.

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Lieblingsbücher 2018

Subjektiv. Unvollständig. Ehrlich. Hier die persönliche Top Ten meiner Lieblingsbücher, die ich 2018 gelesen habe. Einige davon haben es mit ihren ersten Sätzen ins Museum der schönen Sätze geschafft. Lesenswert sind sie alle. Sätze wie Bücher. Bonus: mein Fazit der Tom-Robbins-Festspiele „Robbins Reloaded 17/18“.

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Lieblingsbücher 2016

Subjektiv. Unvollständig. Ehrlich. Hier die persönliche Top Ten meiner Lieblingsbücher, die ich 2016 gelesen habe. Einige davon haben es mit ihren ersten Sätzen ins Museum der schönen Sätze geschafft. Lesenswert sind sie alle. Sätze wie Bücher.

buecher2016

  1. Heinrich Steinfest: Das Leben und Sterben der Flugzeuge
  2. Isabel Bogdan: Der Pfau
  3. Berni Mayer: Rosalie
  4. Benedict Wells: Vom Ende der Einsamkeit
  5. Frank Goosen: Förster, mein Förster
  6. Klaus Bittermann: Sid Schlebrowskis kurzer Sommer der Anarchie und seine Suche nach dem Glück
  7. Thomas Glavinic: Wie man leben soll
  8. Richard Lorenz: Frost, Erna Piaf und der Heilige
  9. Stevan Paul: Der große Glander
  10. Heinz Strunk: Der goldene Handschuh
  • Gedichtband des Jahres: Charles Bukowski: Alle reden zu viel
  • Sachbuch des Jahres: Sylvia Witt & Oliver Uschmann: Krallen rein! Über das wahre Leben mit Katzen

Außer Konkurrenz, gleichwohl die größten Herzensangelegenheiten: die Buchveröffentlichungen meiner Liebsten:

  • Alexandra Pilz: Für immer Hollyhill
  • Anne Sanders: Sommer in St. Ives

Lieblingsbücher 2015

Subjektiv. Unvollständig. Ehrlich. Hier die persönliche Top Ten meiner Lieblingsbücher, die ich 2015 gelesen habe. Einige davon haben es mit ihren ersten Sätzen ins Museum der schönen Sätze geschafft. Lesenswert sind sie alle. Sätze wie Bücher.

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1. Vea Kaiser: Makarionissi
2. Heinrich Steinfest: Das grüne Rollo
3. Robert Seethaler: Jetzt wirds ernst
4. Robert Seethaler: Die weiteren Aussichten
5. Robert Seethaler: Die Biene und der Kurt
6. Thees Uhlmann: Sophia, der Tod und ich
7. Irvine Welsh: Das Sexleben siamesischer Zwillinge
8. Joachim Lottmann: Happy End
9. Daniel Glattauer: Geschenkt
10. Einzlkind: Billy

  • Klassiker des Jahres: Truman Capote: Frühstück bei Tiffany
  • Sachbuch des Jahres: Michael Althen: Liebling, ich bin im Kino!

Lieblingssätze in der Journalisten-Werkstatt

Hurra, die geschätzten Kollegen mögen Lieblingssaetze.de! Für das Heft „Journalisten Werkstatt – Wie Sätze wirken II“ (liegt unter anderem dem Medium Magazin bei) durfte ich meine Liebe zum ersten Satz ergründen und das Museum der schönen Sätze vorstellen. Für eine Würdigung der hübschesten Wörterminiaturen im vergangenen Jahr war ebenfalls noch Platz.  Weiterlesen

Liebe zum ersten Satz

Ich liebe erste Sätze, denn sie können nicht lügen. Selbst wenn sie eine Lüge verbreiten, verrät das Wie ihren Wesenskern.

Bernhard Blöchl, der Betreiber des Museums der schönen Sätze, über den Zauber hübscher Wörterminiaturen

Ein schlechter erster Satz ist wie ein luschiger Händedruck. Keine Lust auf mehr, und tschüss! Nichts ist spannender, folgenschwerer und schwieriger als die ersten Wörter einer Geschichte. Im besten Fall spiegelt sich darin alles wider, das große Ganze, Sound und Haltung des Erzählers. Im schlechtesten Fall zeigt der Autor, wie gewöhnlich, schlampig oder uninspiriert er seine Story aufzieht. Natürlich entscheiden darüber nicht ausschließlich die ersten Wörter. Aber sie erledigen nun mal den Job des Türöffners, und vor diesem Job habe ich großen Respekt.

blc3b6_blogIch weiß nicht genau, wann das anfing. Für starke erste Sätze hatte ich schon eine Schwäche, als ich im Studium Axel Hacke nacheiferte und unbedingt Journalist werden wollte. Ich erinnere mich daran, wie ich Romane allein nach dem ersten Satz gekauft oder liegengelassen, Artikel danach verschlungen oder weggeblättert habe. Ich liebe erste Sätze, denn sie können nicht lügen. Selbst wenn sie eine Lüge verbreiten, verrät das Wie ihren Wesenskern. Gibt Einblick ins Autorenherz. Irgendwann entdeckte ich die Meister der Disziplin, und aus der Begeisterung wurde ein Fetisch. Danke, Wolf Haas („Jetzt ist schon wieder was passiert.“), danke, Heinrich Steinfest („Ihre Beine waren zu dick.“), danke, Tom Robbins („Es heißt, Tanuki hätte seinen Hodensack als Fallschirm benutzt, als er vom Himmel fiel.“). Danke, Boyle, Hornby, Nabokov, Hesse. Danke, Kafka, Austen, und wie sie alle heißen. Seit ich weiß, welche Wucht vor allem ein erster Satz haben kann, bin ich süchtig nach Sätzen.

Ich verfolge damit kein Ziel, es ist vielmehr ein sprachlicher Work-out sowie ein Inspirationsquell für mich und alle anderen, die Sprache lieben

Seit Sommer 2011 sammle und kommentiere ich sie auf Lieblingssaetze.de. Gnadenlos subjektiv, mitunter gönne ich mir längere Pausen, nie fehlt das Schwärmen. Aus der Uridee, befeuert durch die Neugier des Bloggens, ist ein Museum der schönen Sätze gewachsen, das auch Songzeilen und Fundstücken Platz bietet und die Favoriten der Leser präsentiert. Ich verfolge damit kein Ziel, es ist vielmehr ein sprachlicher Work-out sowie ein Inspirationsquell für mich und alle anderen, die Sprache lieben, das Motto: „Zur Sache, Sätzchen!“ Autorenkollegen schreiben mir, wie gerne sie sich hier anregen lassen, Journalisten holen sich Impulse auf der zugehörigen Facebook-Seite oder Twitter, Zeitschriften wie das „Bücher-Magazin“ oder die „Federwelt“ empfehlen das Museum weiter. Oliver Uschmann, ein befreundeter Musikjournalist und Romanautor („Hartmut und ich“-Reihe), übertreibt schamlos, wenn er mir öffentlich schmeichelt: „Einer der besten und unterhaltsamsten Blogs des Landes.“

MM PrintAber zurück zum Wesenskern. Was macht nun einen guten ersten Satz aus? Die Sammlung zeigt: Es gibt solche und solche gute erste Sätze. Hübsche Miniaturen, die auf unterschiedliche Weise faszinieren. Die einen punkten durch Skurrilität: „Harold glaubte, nach Mutters Tod erbe er die Villa und erhänge sich zweimal die Woche in der Vorhalle.” (Einzlkind: „Harold“). Andere durch dramatische Schönheit: „Ich verliebte mich in den Fußball, wie ich mich später in Frauen verlieben sollte: plötzlich, unerklärlich, unkritisch und ohne einen Gedanken an den Schmerz und die Zerrissenheit zu verschwenden, die damit verbunden sein würden.” (Nick Hornby: „Fever Pitch“). Wieder andere durch phantasievollen Witz: „Während die meisten jungen Schotten seines Alters Röcke lüpften, Furchen pflügten und die Saat aussäten, stellte Mungo Park dem Emir von Ludamar, Al-Hadsch’ Ali Ibn Fatoudi, seine bloßen Hinterbacken zur Schau.“ (T.C. Boyle: „Wassermusik“).

Es gibt Eröffnungen, die erstrecken sich über scheinbar viel zu viele Zeilen, und trotzdem bleibt man gebannt, weil der Rhythmus exzellent gesetzt, jedes Wort wichtig, und überhaupt alles so formvollendet schön ist, dass man gerne vor Neid erblasst (Claudius Seidl, Hermann Hesse, David Lodge). Andere begnügen sich mit einem einzigen Wort, so zum Beispiel Heinrich Steinfest, der Schelm, der seinen Roman „Der Allesforscher“ tatsächlich mit „Oha!“ eröffnet. Hammer! Eines haben alle Sätze gemein: Sie stechen heraus, machen unbedingt neugierig, sind Einladungen zum Weiterlesen, die nur ausschlagen kann, wem Sprache nichts bedeutet.

Deshalb bin ich fest davon überzeugt: Alle Texter sollten nach der Kunst des ersten Satzes streben – Songwriter, Journalisten, Schriftsteller sowieso. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass sich Journalisten im Alltagsdruck nicht den Luxus leisten können, stundenlang an den Eröffnungsworten zu feilen. Aber die Mühe lohnt sich, und auch journalistische Texte lassen sich mit einem Oha-Erlebnis einleiten, mit einer wassermusikalischen Melodie, mit einer beindicken Frechheit. Gerade in Zeiten, in denen die Leser mehr denn je am Drücker sind, erscheint mir das besonders wichtig. Denn lahmt ein Text gleich zu Beginn, wird er weggeklickt. Fängt er dagegen magisch an, sind die meisten verzaubert und bleiben dran. Versprochen.


Dieser Text sowie meine Würdigungen der besten Sätze des Jahres 2014 sind im Heft „Journalisten Werkstatt – Wie Sätze wirken II“ von Peter Linden erschienen. Hier kann man die Publikationen im Print- oder PDF-Format erwerben.

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Ein seitengroßes Interview über die Magie von ersten Sätzen und die Entstehung des Museums ist im Juli 2016 in der Freien Presse Chemnitz erschienen.

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Lieblingsbücher 2014

Subjektiv. Unvollständig. Ehrlich. Hier die persönliche Top Ten meiner Lieblingsbücher, die ich 2014 gelesen habe. Viele davon haben es mit ihren ersten Sätzen ins Museum der schönen Sätze geschafft. Lesenswert sind sie alle. Sätze wie Bücher.

 

Books

  1. Jennifer Egan: Der größere Teil der Welt
  2. Heinrich Steinfest: Der Allesforscher
  3. Wolf Haas: Brennerova
  4. Nick Hornby: Miss Blackpool
  5. David Nicholls: Drei auf Reisen
  6. Robert Gwisdek: Der unsichtbare Apfel
  7. Richard Lorenz: Amerika-Plakate
  8. Joachim Lottmann: Endlich Kokain
  9. Wolfgang Herrndorf: Bilder deiner großen Liebe
  10. Matt Haig: Ich und die Menschen

Außer Konkurrenz, gleichwohl die größten Herzensangelegenheiten: die Buchveröffentlichungen von meiner Liebsten und mir (bzw. in diesem Jahr von Julian, der Romanfigur aus meinem Roman „Für immer Juli“):